Tiergestützte Pädagogik in der Oberschule Böhlen

“Kla­ra* kam letz­tens völ­lig ver­zwei­felt und hys­te­risch in mein Zim­mer. Sie schrie und heul­te und konn­te über­haupt nichts sagen. Lisa lag auf Ihrem Platz in mei­nem Zim­mer und Kla­ra* saß auf dem Boden und wein­te. Lisa hat dann mit dem Mäd­chen Blick­kon­takt auf­ge­nom­men. Ich habe gedacht, dann wer­den die bei­den das jetzt unter­ein­an­der klä­ren. Irgend­wann hat sich Lisa hin­ge­setzt, wei­ter Blick­kon­takt gehal­ten bis sie schließ­lich lang­sam und behut­sam zu Kla­ra* ging und ihren Kopf auf ihren Ober­schen­kel leg­te. Kla­ra fing an Lisa zu strei­cheln und wur­de dadurch immer sanft­mü­ti­ger und ruhi­ger. Lan­ge, sehr lan­ge habe ich gar nichts gemacht. Irgend­wann frag­te ich und Kla­ra* konn­te sich ganz wun­der­voll öff­nen. Das sind so Momen­te, da weiß ich, dass die Arbeit mit dem Hund Sinn macht!”

Span­nend fand Chris­ti­ne Schä­del, Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin an der Ober­schu­le in Böh­len, schon immer, wie die Wir­kung von Tie­ren auf die Men­schen the­ra­peu­tisch genutzt wer­den kann, da Tie­re als gro­ße Tür­öff­ner in der Arbeit mit Kin­dern fun­gie­ren. Doch wie wird ein Hund zum The­ra­pie-Hund in der sozi­al­päd­ago­gi­schen Arbeit? 

Chris­ti­ne Schä­del mit ihrem The­ra­pie-Hund Lisa

Zual­ler­erst gilt es, Hun­de zu lie­ben und selbst ein Tier­freund bzw. eine Tier­freun­din zu sein und aus eige­ner Über­zeu­gung und eige­ner Moti­va­ti­on sich einen Hund anschaf­fen zu wol­len. Dann soll­ten alle Betei­lig­ten im Sys­tem Schu­le von der posi­ti­ven Ein­fluss­nah­me der tier­ge­stütz­ten Päd­ago­gik über­zeugt sein und damit Fürsprecher*innen sein. Die Schul­lei­tung an der Böh­lener Ober­schu­le war damals Feu­er und Flam­me. Auch der Weg­wei­ser e. V. und das Team, ja sogar der Geld­ge­ber, fand die Idee sinn­voll und inter­es­sant. Die Aus­bil­dung zur “Fach­kraft für tier­ge­stütz­te The­ra­pie” ist lei­der in Deutsch­land noch nicht staat­lich aner­kannt. Jedoch emp­fiehlt der Bun­des­ver­band tier­ge­stüt­ze Inter­ven­ti­on e. V. ein ISAAT-Zer­ti­fi­kat oder ein ESAAT-Zer­ti­fi­tat zu erwer­ben. Die zer­ti­fi­zier­ten Wei­ter­bil­dungs­in­sti­tu­te sind auf der Web­sei­te des Bun­des­ver­ban­des auf­ge­führt. Eine Aus­bil­dung kos­tet, laut Chris­ti­ne unge­fähr zwi­schen 3000 Euro und 4000 Euro. Je nach Insti­tut und Modu­lauf­bau der Aus­bil­dung kann jedoch der Preis auch schwan­ken.
Eini­ge der Insti­tu­te bie­ten neben der Fach­kraft­wei­ter­bil­dung eine Wei­ter­bil­dung an, in der ein Mensch-Hund-Team für tier­ge­stütz­te Ein­sät­ze aus­ge­bil­det wird, zum Bei­spiel eine soge­nann­te The­ra­pie­be­gleit­hun­de­aus­bil­dung. Die­se ist nicht mit der Wei­ter­bil­dung zur Fach­kraft für tier­ge­stütz­te Inter­ven­tio­nen zu ver­wech­seln. Die Basis­aus­bil­dung umfas­sen ca. 50 — 75 Stun­den inklu­si­ve Theo­rie, prak­ti­sche Aus­bil­dung des Mensch-Hund Teams sowie ein Selbst­stu­di­um.
Chris­ti­ne Schä­del hat sich für die Aus­bil­dung mit ihrem Hund in Naun­hof bei M.I.T.T.T. ent­schie­den und hat kon­ti­nu­ier­lich über 3 Jah­re mit ihrem Hund gear­bei­tet. Aber genau­so arbei­ten auch ande­re Insti­tu­te in der Region.

Lisa, Labra­dor-Schä­fer­hund-Misch­ling und aus­ge­bil­de­te Therapie-Hündin

Meis­tens gibt es bei der The­ra­pie­be­gleit­hun­de­aus­bil­dung einen theo­re­ti­schen Block, wo man alles über Hun­de­ge­sund­heit und Hun­de­s­psy­cho­lo­gie lernt und dann ver­schie­de­ne prak­ti­sche Block­lehr­gän­ge mit dem Hund. Die­se dau­ern meist zwei bis drei Tage und, wenn der Trai­ner oder die Trai­ne­rin den Zeit­punkt für ide­al hält, wird das prak­tisch Gelern­te im ech­ten Umgang mit den Klient*innen, in Chris­ti­nes Fall mit den Kin­dern der 6. Klas­se der Ober­schu­le Böh­len, erprobt. 

Wir vom Weg­wei­ser e. V. sind froh über Chris­ti­nes Arbeit mit ihrer Hün­din in der Schu­le. An Kla­ras* Bei­spiel sehen wir, wel­che emo­tio­na­len Ver­än­de­run­gen die Begeg­nung mit Tie­ren für Kin­der haben kann und wie die Tie­re bei­tra­gen, Kin­dern mit Pro­ble­men näher zu kom­men. Wer mehr über Chris­ti­nes Erfah­run­gen wis­sen will, darf sich gern an uns wenden. 

* Der Name des Kin­des wur­de von der Redak­ti­on geändert. 

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