Reichsbürger zerstört Frauenzentrum “Regenbogen” in Döbeln

Logo mit Regenbogenfarben
Sechs Frauen gemeinsam am Tisch
Von links: Tina Den­ker, Gise­la Erken­berg, Kra­zy­na Gro­ße, Sabi­ne Rötzsch, Eva Voigt, Mari­na Schulze

Dem Frau­en­zen­trum Döbeln wur­de im Jahr 2014 von einem bekann­ten Reichs­bür­ger aus Döbeln die Ver­un­treu­ung von För­der­mit­teln vor­ge­wor­fen, mit dem kla­ren Ziel, den Ver­ein zu rui­nie­ren. Anfäng­lich ist die Staats­an­walt­schaft in Chem­nitz die­ser Anschul­di­gung nicht nach­ge­gan­gen, doch als sich die Schwe­re der Anschul­di­gun­gen und die Fre­quenz über einen län­ge­ren Zeit­raum hin wie­der­hol­ten, muss­te sie die Ermitt­lun­gen einleiten.

Das Frau­en­zen­trum arbei­te­te in sei­nen Hoch­zei­ten in der Kri­sen­in­ter­ven­ti­on, der Bera­tung von Frau­en bei Sexu­el­lem Miss­brauch und Häus­li­cher Gewalt, enga­gier­te sich in der Jugend- und Mäd­chen­ar­beit und war Trä­ger von einer Frau­en­schutz­woh­nung in Döbeln. Die dama­li­gen im Ver­ein täti­gen Sozi­al­ar­bei­te­rin­nen waren Ansprech­part­ne­rin­nen für die Opfer­schutz­be­auf­trag­ten der Poli­zei und ver­mit­tel­ten wei­ter­füh­ren­de Bera­tun­gen und Schutz­räu­me. Der Ver­ein wid­me­te sich wäh­rend des Syri­en­krie­ges und der damit ver­bun­de­nen Flucht­wel­le der Migrant*innenarbeit, stell­te Begeg­nungstät­ten zur Ver­fü­gung und stand für Will­kom­mens­kul­tur und Toleranz. 

Screen­shot vom 05.05.2022: Ver­ges­se­ne Löschung des Ein­tra­ges “Traumanetz See­li­sche Gesund­heit” zeigt die Bedeu­tung der Bera­tungs- und Schutzeinrichtung

Das Frau­en­zen­trum muss­te wäh­rend der Anschul­di­gun­gen, in den Jah­ren 2014 bis 2015, rück­wir­kend die gesam­te Finanz­wirt­schaft offen­le­gen. Alle Anträ­ge, Abrech­nun­gen, Bele­ge, Aus­zah­lun­gen und Bank­be­we­gun­gen wur­den geprüft. Schließ­lich konn­te in einem ein­zi­gen För­der­an­trag ein Ver­fah­rens­feh­ler nach­ge­wie­sen wer­den. Dar­auf­hin stell­ten wich­ti­ge För­der­mit­tel­ge­ber die Zah­lun­gen ein und somit wur­de die gesam­te Arbeit des Frau­en­zen­trums gefähr­det. Ange­stell­te Bera­te­rin­nen und Fach­frau­en muss­ten ent­las­sen wer­den und Pro­jek­te wur­den kurz­fris­tig beendet. 

Nach­dem die Vor­stand­frau­en, die mit der Angst, auch mit ihrem Pri­vat­ver­mö­gen zu haf­ten mit pri­vat­fi­nan­zier­tem Rechts­bei­stand in die Gerichts­ver­hand­lun­gen gela­den wur­den, begann ein Zer­rüt­tungs­pro­zess der Ent­mu­ti­gung und Erschöp­fung. Das Ver­fah­ren liegt nun eini­ge Jah­re zurück. Der Pro­zess und die damit ver­bun­de­nen Finanz­kür­zun­gen haben den Ver­ein jedoch nach­hal­tig gebro­chen. Der Ver­ein lös­te sich am 23. Sep­tem­ber 2017 auf. Nach Aus­sa­ge der Döbel­ner Zei­tung auch aus Man­gel an Nach­wuchs und enga­gier­ten Men­schen. Der Zei­tungs­ar­ti­kel in der Döbel­ner Zei­tung ver­harm­lost die Arbeit der Frau­en und gibt lei­der nicht wider, was mir Sabi­ne Rötzsch in mehr­ma­li­gen Tele­fo­na­ten schilderte.

Zeitungs­ar­ti­kel aus der Säch­si­schen Zei­tung, archi­viert von Sabi­ne Rötzsch

Wir sind in Sach­sen hin­sicht­lich der Umset­zung der Istan­bul-Kon­ven­ti­on nicht gut auf­ge­stellt. Es fehlt nicht nur im Land­kreis Mit­tel­sach­sen an aus­rei­chen­den Schutz- und Bera­tungs­an­ge­bo­ten für Betrof­fe­ne von häus­li­cher und sexua­li­sier­ter Gewalt. 

Doch es gibt Fort­schrit­te: Eine Inter­ven­ti­ons­stel­le mit Sitz in Frei­berg wird in Kür­ze ihre Arbeit begin­nen und das Ange­bot des Frau­en*- und Kin­der­schutz­hau­ses unter­stüt­zen. Dank enga­gier­ter Akteu­rin­nen wie Annett Schrenk, Gleich­stel­lungs- und Aus­län­der­be­auf­trag­te im Lan­kreis Mit­tel­sach­sen, die die Umset­zung der Istan­bul Kon­ven­ti­on fest auf der Agen­da hat, sind zumin­dest klei­ne Schrit­te wahrnehmbar. 

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