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Claudia S. ist Familienhelferin des Wegweiser e. V., Dipl.-Psychologin und Systemische Beraterin sowie Psychologische Psychotherapeutin (Schwerpunkt systemische Therapie) i. A. . Sie betreut seit einiger Zeit einen Fall in Borna, den sie von einer Kollegin übernommen hat. Trotz all ihrer Bemühungen steht sie jedoch seit gut einem Jahr vor einer Problematik, die sie allein nicht mehr lösen kann. Die Hilfe, die in diesem Fall dringend benötigt wird, muss die Stadt Borna bzw. der Träger der öffentlichen Jugendhilfe bereitstellen.

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Die Stadt Borna hat keine KITA-Plätze mehr. Nach Aussagen vom DRK sind rund 20-30 Fälle bekannt, wo Familien seit geraumer Zeit nach KITA-Plätzen suchen und immer wieder abgewiesen werden.
Seit nunmehr einem Jahr sucht die alleinerziehende Mutter mit Hilfe von Claudia S. einen Kitaplatz. Das Kind ist jetzt schon fast 4 Jahre alt und hat zusätzlich heilpädagogischen Bedarf. Die Überforderung und die Verzweiflung der Mutter, die in vielerlei Hinsicht in einer schwierigen Lebenssituation ist, geht so weit, dass sie das Kind jetzt in die Obhut des Jugendamtes geben möchte – aus Überforderung.

Laut dem Sozialgesetzbuch (§ 24 SGB VIII Anspruch auf Förderung in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege) muss der Träger der öffentlichen Jugendhilfe jedoch darauf hinwirken, dass für diese Altersgruppe, speziell und besonders für Kinder, die durch schwierige Lebenssituationen besonders gefährdet sind, ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen zur Verfügung steht. Nun mag es sein, dass es wirklich keine freien KITA-Plätze in Borna gibt, jedoch sehen Claudia S. und das Team der Familienhilfe damit das Jugendamt in der Pflicht Alternativen anzubieten. So könnten zum Beispiel in der näheren Umgebung noch freie KITA-Plätze gesucht werden und ein Fahrdienst bereitgestellt werden.

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Wir als freier Träger der Ambulanten Hilfen zur Erziehung sehen hier ein kommunales Übel, was auf dem Rücken von Menschen ausgetragen wird, die sich am wenigsten wehren können. Unsere Arbeit in den Familien muss mit Maßnahmen der Kindertagesbetreuung unterstützt werden, ohne diese sind all unsere sozialpädagogischen Maßnahmen in den Familien weitaus schwieriger umzusetzen und die Problematiken potenzieren sich. Familien, die unsere sozialpädagogischen Hilfen in Anspruch nehmen, sind meist nicht in der Lage, Klagen und Rechtsstreit zu initiieren und solche Forderungen gerichtlich geltend zu machen. Die bürokratischen, finanziellen und psychisch-mentalen Hürden sind unmöglich zu überwinden. Eher gehen die Klient*innen den Weg der Selbstaufgabe und Resignation, wie im Fall der Klient*in von Claudia S.

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Das einzige, was wir tun können, ist, die Familien anzuleiten, den Klageweg zu gehen, über ihre Rechte aufzuklären und dazu Hilfestellung zu geben. Dass wir damit jedoch in den konkreten Fällen innerhalb der Familien ein weiteres unheimlich komplexes Feld an bürokratischen und mentalen Aufgaben eröffnen und damit weniger direkte Hilfe leisten können, ist Tatsache.