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Ein Kommentar von Kerstin Kupfer. Sie ist Vorstandsvorsitzende im Wegweiser e. V. und Fachgruppenleiterin für den Bereich Gewaltschutz.

 

Frau vor Plakatwand

Ein herzliches Dankeschön für diesen großen Zuspruch und die unglaubliche Wertschätzung unserer täglichen Arbeit im Fachbereich Gewaltschutz. Das war ein Gewinn, der nicht in Zahlen zu messen ist und der mein Herz berührt hat. Das ist ein echter Mutmacher!

Was hat diese Spendenaktion in mir gerührt?

Wie oft waren wir zum Thema im Landkreis und in Sachsen unterwegs und stießen auf Unglauben, hämisches Schmunzeln, Bagatellisierungen und Ignoranz, weil viele nicht sehen wollten, was immer offensichtlicher wurde und noch heute ist. Immer wieder ging es in Gesprächen mit Politiker*innen und kommunalen Entscheidungsträger*innen um Rechtfertigung und die Daseinsberechtigung unserer Angebote, die sich nicht allein auf die Auslastung der vorhandenen Schutzeinrichtungen reduzieren lässt. Jeden Tag werden Frauen, ihre Kinder und einige Männer in ihrem Zuhause geschlagen, beleidigt, kontrolliert und gedemütigt. 

Wir standen oft genug in einer kleinen Runde von Frauen ziemlich verloren auf den Marktplätzen und an Fahnenstangen im Landkreis. Wir wollten zeigen, dass es uns und die alltägliche Gewalt Zuhause, vor allem gegen Frauen gibt. Die Menschen zogen schnell an uns vorbei, warfen schambesetzte Seitenblicke in unsere Richtung. Wenige blieben stehen und kamen mit uns ins Gespräch. Wir trugen es mit Galgenhumor und hielten uns aneinander und an unseren Überzeugungen fest. Wir stehen und standen für diejenigen, die keine Stimme haben, weil es gefährlich ist und sie mit dem Überleben, der Angst und Abhängigkeiten zu kämpfen haben.

Heute weiß ich, dass sich jede Mühe und unsere Arbeit lohnt und einen großen Sinn ergibt und ich bin dankbar für die Begegnungen mit allen Menschen, die nicht wegschauen, die mit anpacken und unsere Arbeit mit dem unterstützen, was ihnen möglich ist. Das macht mich zuversichtlich auf alle Herausforderungen der Zukunft. Eine der Größten wird unser Projekt „Land in Sicht –  Schutz- und Beratungszentrum für Frauen* und Kinder bei häuslicher und sexueller Gewalt im Landkreis Leipzig“ auf dessen Bewilligung wir seit Oktober 2021 sehnsüchtig warten.