Auswirkungen der Haushaltssperre im Landkreis Leipzig — Zwischen fachlichem Aufbruch und finanzieller Vollbremsung
von Hannah Sauerschell
Nachdem wir im vergangenen Jahr die notwendige fachliche Weiterentwicklung der ambulanten Hilfen zur Erziehung sowie eine zeitgemäße Finanzierung der Einarbeitung neuer Mitarbeitender thematisiert hatten, nahm das Jahr 2025 eine unerwartete Wendung.
Aufgrund einer über Jahre konstant hohen Nachfrage und einer dauerhaft gefüllten Warteliste erweiterten wir nach zwei Jahren personeller Stabilität unser Team und stellten im September eine neue Mitarbeiterin ein. Die Vorfinanzierung der Einarbeitungskosten verstanden wir als Investition in die Qualität und Kontinuität unserer Arbeit.
Wenige Wochen später reagierte der Landkreis Leipzig auf eine Budgetüberschreitung im Jugendamt mit haushaltsbezogenen Maßnahmen. Die Auswirkungen waren unmittelbar spürbar: Familien mussten trotz dringender Bedarfe lange auf Hilfe- und Kostenzusagen warten, Weiterbewilligungen wurden restriktiver geprüft und häufig mit reduziertem Stundenumfang bewilligt. Gleichzeitig gingen über mehrere Monate keine neuen Anfragen mehr ein, was auf eine insgesamt zurückhaltendere Bewilligungspraxis hindeuten könnte.
Die fehlende Auslastung zwang uns schließlich, die neue Kollegin bereits nach zwei Monaten wieder zu entlassen – eine Entscheidung, die unserem Verständnis eines wertschätzenden Umgangs widerspricht. Zudem verblieben die vollständigen Einarbeitungskosten bei unserem Verein.
Obwohl Fälle von Kindeswohlgefährdung laut Beschluss von den Sparmaßnahmen ausgenommen sein sollten, zeigen unsere Praxiserfahrungen teilweise ein anderes Bild. Die möglichen langfristigen Folgen unzureichender Unterstützung für Familien betrachten wir daher mit Sorge. Unser Engagement, Optimismus und Anspruch auf eine bedarfsgerechte Begleitung bleiben jedoch ungebrochen und wir verstehen die aktuelle Situation als Anstoß zur fachlichen Weiterentwicklung, um Familien weiterhin verlässlich zur Seite zu stehen.